Kein offizieller Termin, kein großes Setting – eher ein ruhiger Vormittag zwischen Manuskripten, Notizen und Kaffeetassen. Im Gespräch mit Torsten Nicodemus ging es schnell um eine Frage, die sich durch den gesamten Roman zieht: Warum ein klassischer Sherlock Holmes – ohne Modernisierung, ohne Brüche?
Denn während viele aktuelle Interpretationen von Sherlock Holmes versuchen, Tempo, Modernität oder ironische Brechungen in den Vordergrund zu stellen, ist dieser Roman bewusst einen anderen Weg gegangen.
Wir wollten wissen: Warum?
„Weil Holmes nicht davon lebt, modern zu sein“, sagt Torsten fast beiläufig. „Er lebt davon, wie er denkt. Und das ist zeitlos.“
Es geht ihm nicht darum, sich von anderen Versionen abzugrenzen. Vielmehr um eine Haltung. „Ich wollte keinen Kommentar auf Holmes schreiben. Keine Meta-Ebene, kein Augenzwinkern. Sondern eine Geschichte, die so erzählt ist, als wäre sie schon immer so gedacht gewesen.“
Während des Gesprächs wird schnell klar: „klassisch“ ist hier kein nostalgisches Etikett. Es ist eine handwerkliche Entscheidung.
„Klassisch heißt für mich: Beobachtung vor Aktion. Dialog vor Effekt. Spannung entsteht nicht durch Lautstärke, sondern durch Präzision. Das ist anstrengender – für den Autor wie für den Leser. Aber genau darin liegt der Reiz.“
Auf die Frage, ob es schwer war, diesem Anspruch treu zu bleiben, muss er kurz überlegen. „Die größte Herausforderung ist die Versuchung. Du kannst jederzeit beschleunigen. Kürzere Sätze, mehr Bewegung, mehr Reiz. Aber jedes Mal verlierst du ein Stück Charakter. Ruhe auszuhalten ist heute fast radikal.“
Auch die Entscheidung, Watson konsequent als Chronisten ernst zu nehmen, sei zentral gewesen. „Watson ist kein Stichwortgeber. Er ist der Filter. Wenn er nicht glaubwürdig erzählt, fällt das ganze Konstrukt in sich zusammen.“
Wir sprechen über Hommagen, über Nähe zum Original und über die Grenze zur bloßen Kopie. „Eine Hommage darf sich anlehnen, aber sie darf sich nicht verstecken. Ich übernehme keine Formulierungen, sondern eine Haltung. Respekt vor Logik. Ernsthaftigkeit. Keine Ironie als Schutzschild.“
Für wen ist dieses Buch also gedacht?
„Für Leser, die Atmosphäre mögen. Für Menschen, die Gedankengängen folgen wollen. Und ganz ehrlich: Wer Action oder einen modernen Reboot erwartet, wird hier nicht glücklich. Das ist keine Schwäche – das ist Ehrlichkeit.“
Zum Schluss fragen wir, was er sich wünscht, wenn jemand das Buch zuklappt.
Er lächelt. „Dass man merkt: Denken kann spannend sein. Und dass manche Geschichten nicht altern, weil sie nie modern sein wollten.“
Weiterführende Lektüre
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