Warum wir nicht jedes Manuskript veröffentlichen

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Warum wir nicht jedes Manuskript veröffentlichen
Manuskripte sind persönlich. In jedem Text steckt Zeit, Hoffnung – manchmal Jahre Arbeit. Genau deshalb ist Ablehnung eines der schwierigsten Themen im Verlagswesen. Und eines der am meisten missverstandenen.

Ablehnung ist kein Urteil über Talent

Wenn wir ein Manuskript nicht veröffentlichen, heißt das nicht: „Das ist schlecht.“ Und es heißt auch nicht: „Der Autor kann nicht schreiben.“ Es heißt etwas anderes: Dieses Manuskript passt nicht zu dem, wofür wir als Verlag stehen. Das kann viele Gründe haben – und oft liegen sie nicht an der Qualität des Textes:
  • Das Programm ist gerade voll
  • Das Thema passt nicht zur Ausrichtung
  • Die Zielgruppe passt nicht zum Verlag
  • Der Markt ist bereits ähnlich besetzt
  • Das Timing ist ungünstig – obwohl die Idee gut ist
Manchmal ist ein Manuskript stark – nur eben nicht das richtige für diesen Verlag.

Ein Verlag ohne Auswahl verliert sein Profil

Wer alles veröffentlicht, trifft keine Entscheidungen. Und wer keine Entscheidungen trifft, übernimmt keine Verantwortung. Ein Verlag ist nicht nur ein „Druck-und-raus“-Dienstleister. Ein Verlag ist eine Linie, ein Schwerpunkt, ein klares Programm. Wenn wir „Ja“ sagen, sagen wir auch: Wir stehen mit unserem Namen dafür. Ein klares Nein ist ehrlicher als ein halbherziges Ja.

Der Mut, überhaupt zu sprechen, zählt

Viele unterschätzen, was eine Einreichung wirklich ist: Du zeigst einen Teil von dir. Ein Manuskript abzugeben bedeutet: „Hier bin ich. Das ist meine Stimme.“ Das erfordert Mut. Nicht, weil es perfekt sein muss – sondern weil es echt ist. Und genau deshalb tut eine Absage manchmal so weh.

Was tun bei Ablehnung?

Der wichtigste Punkt zuerst: Du musst dich nicht schämen. Eine Absage ist eine Entscheidung – kein Urteil über deinen Wert. Was dir hilft, wenn das Nein kommt:

1) Abstand nehmen
Nicht sofort kämpfen, nicht sofort zerdenken. Gib dir ein paar Tage. Das ist keine Schwäche, sondern Selbstschutz.

2) Absage ist nicht gleich Absage
Es gibt einen Unterschied zwischen:

  • „Passt nicht ins Programm.“
  • „Interessant, aber wir können es nicht umsetzen.“
  • „Da steckt etwas drin, aber noch nicht so.“
Manchmal ist ein Nein kein Ende – sondern nur: nicht hier, nicht jetzt, nicht so.

3) Feedback nutzen – aber nicht davon abhängig werden
Wenn du Feedback bekommst: stark. Wenn nicht: leider normal. Nicht, weil dein Text unwichtig ist, sondern weil Verlage oft schlicht keine Kapazität für lange Rückmeldungen haben.

4) Weitermachen
Du hast immer Optionen:

  • Überarbeiten und erneut einreichen
  • Andere Verlage testen
  • Das Projekt neu positionieren
Das Schlimmste ist nicht eine Absage. Das Schlimmste ist Stillstand.

Ein Nein kann der Anfang sein

Viele Texte scheitern nicht, weil sie schlecht sind, sondern weil sie noch nicht den richtigen Platz gefunden haben. Ein Nein bedeutet nicht: Ende. Es bedeutet: Diese Tür war es nicht. Talent ist gut. Aber entscheidend ist etwas anderes: Dranbleiben. Lernen. Weiterschreiben.