In den vergangenen Monaten haben wir die Erfahrung gemacht, dass einzelne Plattformen bei der Prüfung von Covergestaltungen sehr unterschiedliche Maßstäbe anlegen. In einem konkreten Fall wurde ein von uns selbst gestaltetes Cover beanstandet mit dem Hinweis auf angebliche stilistische Ähnlichkeiten zu bestehenden Werken oder Marketingästhetiken.
Eine konkrete Benennung eines betroffenen Werkes oder einer tatsächlich relevanten urheberrechtlichen Problematik erfolgte dabei jedoch nicht.
Planungssicherheit ist entscheidend
Grundsätzlich ist es nachvollziehbar, dass Plattformen rechtliche Risiken vermeiden möchten. Gleichzeitig benötigen Verlage klare Kriterien, um ihre Produkte zuverlässig vorbereiten zu können.
Wenn Beanstandungen ohne präzise Begründung erfolgen, entsteht für uns als Verlag zusätzlicher Aufwand sowie Unsicherheit in der Produktionsplanung.
Zeit- und Kostenfaktor: Wenn Unklarheit teuer wird
Ein Aspekt, der in solchen Situationen häufig übersehen wird, sind die ganz realen Kosten, die im Hintergrund entstehen. Die Gestaltung eines Buchcovers ist kein nebensächlicher Schritt, sondern ein zentraler Bestandteil der Veröffentlichung. Dafür werden entweder externe Grafiker beauftragt oder es wird erhebliche Eigenzeit investiert — Zeit, die in Lektorat, Marketing oder neue Projekte fließen könnte.
Wenn eine Plattform ein Cover beanstandet, ohne konkret zu benennen, welches Element problematisch sein soll oder wie eine Freigabe erreicht werden kann, entsteht ein praktisches Problem: Es fehlt jede Planungssicherheit. Man weiß nicht, ob minimale Anpassungen ausreichen würden oder ob das gesamte Design neu erstellt werden muss.
Das führt zu einer absurden Situation: Soll ein Grafiker erneut beauftragt werden, ohne klare Vorgaben? Soll ein fertiges Cover verworfen werden, obwohl keine konkrete Rechtsverletzung vorliegt? Oder soll man auf Verdacht komplett neu beginnen?
Gerade für kleinere Verlage oder unabhängige Autoren sind solche Unsicherheiten nicht nur ärgerlich, sondern wirtschaftlich relevant. Jede zusätzliche Überarbeitung bedeutet Zeitverlust und Kosten — ohne Garantie, dass das Ergebnis anschließend akzeptiert wird.
Im Extremfall könnte man argumentieren, dass selbst ein minimalistisches Cover — etwa schwarzer Hintergrund mit weißem Titel — theoretisch ebenfalls irgendwo als „stilistisch ähnlich“ eingeordnet werden könnte. Genau deshalb sind klare Kriterien und nachvollziehbare Entscheidungen so wichtig.
Hinzu kommt ein weiterer praktischer Aspekt, der häufig übersehen wird: Unsere Titel werden in der Regel nicht nur auf einer Plattform veröffentlicht. Wenn ein Cover beispielsweise bei einem Anbieter problemlos akzeptiert wird, bei einem anderen jedoch ohne klare Begründung beanstandet wird, entsteht zusätzlicher Aufwand.
Eine nachträgliche Änderung bedeutet nicht nur, das Cover für eine einzelne Plattform anzupassen, sondern unter Umständen sämtliche Versionen auf allen Vertriebskanälen neu zu ersetzen. Das betrifft Dateien, Metadaten, Archivstände und Marketingmaterialien.
Dieser Aufwand steht in keinem angemessenen Verhältnis, wenn keine konkrete Rechtsverletzung vorliegt, sondern lediglich eine unspezifische stilistische Einschätzung.
Verlässliche Rahmenbedingungen sind keine Komfortforderung, sondern eine Grundvoraussetzung für effizientes Arbeiten im Publishing-Bereich.
Urheberrecht schützt konkrete Werke — nicht allgemeine Motive, Genretypiken oder atmosphärische Gestaltungselemente.
Gerade im Bereich Kinder- und Jugendbuch, Abenteuerliteratur oder Spannungsliteratur existieren seit Jahrzehnten wiederkehrende visuelle Motive. Eine pauschale Einordnung in stilistische Kategorien ersetzt daher keine konkrete rechtliche Bewertung.
Aufwand und Nutzen müssen im Verhältnis stehen
Für uns bedeutet das: Veröffentlichungsprozesse müssen nachvollziehbar und effizient bleiben. Wenn zusätzliche Prüfzyklen entstehen, ohne dass klare Kriterien kommuniziert werden, steht der Aufwand nicht immer im Verhältnis zur wirtschaftlichen Bedeutung des jeweiligen Vertriebskanals.
Unsere Konsequenz
Aus diesen Gründen werden wir Veröffentlichungen über Plattformen, bei denen eigenständig gestaltete Inhalte ohne klare Begründung beanstandet werden, künftig sehr sorgfältig prüfen.
Eine Zusammenarbeit ist für uns nur dann sinnvoll, wenn nachvollziehbare Kriterien gelten, Planungssicherheit besteht und Entscheidungen transparent kommuniziert werden.
Unser Ziel bleibt unverändert: Leserinnen und Leser sollen unsere Bücher erreichen können. Wenn jedoch unnötige Unsicherheiten entstehen, werden wir unsere Ressourcen dort einsetzen, wo Prozesse klar, fair und verlässlich funktionieren.
Das ist keine Grundsatzentscheidung gegen einzelne Anbieter, sondern eine wirtschaftlich notwendige Abwägung.
